Pferde können Gesichter "lesen" !

 

 

Pferde können menschliche Emotionen erkennen und interpretieren-welche Bedeutung hat dies für den Einsatz von Mental Training im Reitsport ?

 

 

Das Pferde spüren, wie die momentane Gemütslage ihrer Besitzer ist, darüber sind sich die meisten Reiter wohl einig. Doch jetzt haben englische Wissenschaftler dieses Gefühl mit Fakten untermauert.

In der Februar-Ausgabe diesen Jahres des Journal „ biology letters“ wurde eine Arbeit der Forschern Amy Victoria Smith, Leannne Proops, Kate Grounds, Jennifer Wathan und Karen McComb über dieses Thema veröffentlicht (Biol. Lett. 2016 12 20150907; DOI: 10.1098/rsbl.2015.0907. Published 10 February 2016).

In dieser wissenschaftlichen Studie untersuchten die Forscher die Reaktionen von 28 Pferden auf Fotos mit fröhlichen oder wütenden Gesichtern. Die Pferde reagierten besonders auf die Fotos mit den wütenden Gesichtern. Diese Bilder betrachteten sie mit dem linken Auge. Die erhaltenen Informationen werden in der rechten Gehirnhälfte verarbeitet-der Sitz für die Verarbeitung von negativen, bedrohlichen Eindrücken und Reizen. Zudem konnte eine deutliche Zunahme der Herzschlagrate gemessen werden.

Kommen Reiter also schlecht gelaunt und negativ gestimmt zu ihren Pferden, sind diese in der Lage darauf zu reagieren. Der erhöhte Stress-Level des Reiters kann so zu einem erhöhten Stress-Level des Pferdes führen. Keine gute Voraussetzung für eine gute Lehratmosphäre und ein freudiges Arbeiten miteinander.

Welche Konsequenzen kann man nun aus dieser Erkenntnis ableiten ? Immer gut gelaunt und freudig motiviert zu Reiten kommen. Die Freude sozusagen ins Gesicht geschrieben…. 

Was aber, wenn dies nicht so einfach ist ? Der Chef hat Stress gemacht, die Kollegin gelästert, der Partner war unzuverlässig, die Kinder krank und quengelig. Oder das Wetter ist alles andere als motivierend ! Ich kenne das ganz gut. Als „ohne Halle - und immer draußen Reiter “ geht mein Blick immer als erstes gen Westen mit dem bangen Blick, was das Wetter wohl heute bringt. Regen geht ja noch, aber Schnee und Sturm ? Brr….

Wie schaffe ich es, mich gut gelaunt und voll motiviert auf' s Reiten zu freuen ? Hier ist deine mentale Einstellung gefragt ! Der erste Schritt ist, sich über seinen momentanen Gemütszustand bewusst zu werden. Oft merken wir nicht, dass es irgendwo eine „emotionale Baustelle“ gibt (meine Pferde hingegen schon-oftmals schneller als ich ;-)).

Wer sein Verhalten reflektiert und analysiert, hat schon den ersten Schritt zur Veränderung getan. Zudem sollte man sich auf die Arbeit mit den Pferden mental einstellen. Hier kann der Weg von der Arbeit in den Stall schon genutzt werden, um sich mit z.B. mit schöner Musik zu entspannen-oder sich zu motivieren (hier eignet sich dann sog. „Powermusik“).

Aber auch der Wechsel der Klamotten kann ein „sich-heraus-Begeben“ aus der momentanen Laune sein. Der Anzug oder was auch immer (und damit auch die schlechten Emotionen ) bleibt zurück und mit dem Anziehen der Reithose schaltet man auf „ Erfolgslaune“ !

Sehr motivierend und fördernd ist das Festlegen von Zielen für die Reitstunde. Erinnere dich vor dem Reiten an die letzte gute und positive Zusammenarbeit mit dem Pferd und setze dir ein Ziel , was direkt an diese Zusammenarbeit anknüpft. So startet die Arbeit gleich mit einer positiven Einstellung.

Für belastende Situationen und ständige Grübeleien haben sich die „Mutkarten “ sehr bewährt. Wie schon in früheren Blogartikeln beschrieben, eignen sich diese Karten dafür, Emotionen für einen bestimmten Zeitraum beiseite zu legen. Man schreibt die negative Emotion, die man beim Reiten nicht gebrauchen kann (Ärger über den Chef) , auf eine kleinen Karte und legt diese vor dem Aufsteigen in den Stallspind. Zur Unterstützung kann man eine positive Emotion (Freude oder Gelassenheit ) auf eine weitere Karte schreiben und diese mit auf das Pferd nehmen. Nach der Arbeit sollte das negative Gefühl wieder „abgeholt “ werden, sonst funktioniert es irgendwann nicht mehr !

 

Helfen alle Tricks nichts, dann sollte man an dem Tag auf das Reiten verzichten. Man kann stattdessen einen schönen Spaziergang mit dem Pferd machen, an zirzensischen Lektionen arbeiten oder nur eine Wohlfühlmassage dem Pferd gönnen. Dies stärkt die Bindung zwischen Pferd und Reiter und ist alle mal besser als ein durch schlechte Laune eskalierter Streit mit dem Pferd und dem daraus folgenden Vertrauens- und Führungspositionsverlust.

 

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